Bauplatz für den Autobahnzubringer? MEIENMOOS/LERCHENBODEN 2014

Argumente

Vergleich

Wieso vier mal mehr ausgeben, wenn die günstige Lösung einen ähnlich hohen Nutzen bringt? Und dazu erst noch Jahrzehnte warten? Staus wird es weiterhin geben, bloss an anderen Orten. Und die paar Minuten Zeitgewinn über eine neue Umfahrungsstrasse sind in wenigen Jahren durch den Mehrverkehr wieder neutralisiert.

Finanzen

650 Millionen (plus/minus 20%) - so lautet die Planung des Kantons, Preisstand 2015, Baubeginn 2022. Für den Unterhalt sind jährlich 6 Millionen budgetiert, das ist sehr knapp berechnet, jedenfalls für die 4 Tunnel. Der Bund hat mehrfach entschieden, den Autobahnzubringer (Zufahrt Emmental) nicht zu finanzieren. Eine Bundes­beteiligung am neu aufge­legten Projekt ist daher sehr ungewiss. Damit ist ziemlich sicher: Für die nötigen Verbes­serungen innerorts wird der Kanton kein Geld mehr sprechen.

Kulturland und Naturschutz

Es ist volkswirtschaftlich und ökologisch äusserst fragwürdig, in unserer Region bestes Kulturland mit zusätzlichen Strassen zu verbauen und dabei Nah­erholungs­gebiete zu zerschneiden und geschützte Gebiete zu tangieren. Auch ein tief gelegtes Trassee und mehrere Tunnel sind starke Eingriffe in die Landschaft mit erheblichen Folgen, auch für das Grundwasser.

Augenmass

Es ist unbestritten, dass die Situation in Oberburg für die Anwohner und Anwohnerinnen verbessert werden muss. Der grösste Teil des Verkehrs­aufkommens ist aber «hausgemacht», d.h. er spielt sich zwischen Hasle und Kirchberg ab und verschwindet nicht über eine Umfahrungs­strasse. Eine Sanierung mit Augenmass ist daher gefragt. Mit einer Vielzahl von kleineren, anderswo bereits erprobten und vergleichsweise günstigen Massnahmen können die Auswirkungen des Strassen­verkehrs rasch und wirksam verringert und der Verkehrsfluss gewährleistet werden.

Stau

Die Verkehrsbehinderungen entstehen zu den Stosszeiten und hauptsächlich durch die Kreuzungs­punkte mit der Bahnlinie. Das wichtigste Sanierungs­element sind daher Bahnunter­­führungen, welche die Barrieren ersetzen und den Verkehr wirkungsvoll verflüssigen. Genau diese Massnahme ist im Umfahrungsprojekt nicht enthalten.

Verkehrsprognosen

Die Regionalkonferenz rechtfertigt den Bau des Autobahn­zubringers mit dem allgemeinen Verkehrs­­wachstum. Ihre Annahmen liegen aber deutlich über den Erfahrungswerten der letzten Jahre. Mögliche Umsteige­effekte durch eine Attraktivitäts­­steigerung des öffentlichen Verkehrs sowie der Velo- und Fussgänger­­verbindungen, welche das Verkehrs­­aufkommen stabilisieren oder verringern können, werden nicht in Betracht gezogen. Als sicher muss hingegen angenommen werden, dass der Bau einer Umfahrungs­strasse zu mehr Verkehr führt.

Wirtschaftlichkeit

Die neue Zufahrtstrasse wird von Wirtschafts­kreisen gefordert. Eine Standortförderung via Strassenbau ist 1. ein Rezept aus vergangenen Zeiten, als kaum Rücksicht auf Landschaft und Baukultur genommen wurde. 2. darf eine Strasse nicht beliebig viel kosten, sonst wird der Nutzen der schnelleren Erreichbarkeit neutralisiert.

Raumplanung

Neue Strassen fördern erwiesenermassen nicht nur das Verkehrswachstum, sondern auch die Zersiedelung. Soll es denn im Emmental aussehen, wie im ganzen Mittelland? Eine intakte Landschaft ist das wichtigste Kapital des Emmentals, und ein attraktives stadtnahes Erholungs­gebiet gehört zu den Standortvorteilen von Burgdorf als Arbeits- und Lebensraum.

Zufahrt - Wegfahrt - Durchfahrt

Eine kreuzungsfreie, zweispurige Autostrasse (ohne Langsamverkehr) ist attraktiv: als Zubringer für den Güterverkehr; als Wegfahrt für PendlerInnen  in Richtung Bern und Zürich; aber auch als Umfahrungsstrasse für den Schwerverkehr ab Kirchberg in Richtung Thun oder Zentralschweiz.